Aber hier, wie überhaupt, kommt es anders, als man glaubt

Samstag wollte ich das gute Wetter nutzen, um endlich wieder das Gelbschen zu bewegen. Die Ärmste steht ja nun schon seit Ende Januar im Stall und wartet. Ich also nach dem Einkaufen direkt als Michelinmännchen aufgerödelt, die neuen Daytonas an und ab in den Keller. Voller Vorfreude den Schlüssel rein und … nichts.

Keine Uhr, kein Standlicht, kein gar nichts.
Nichts, niente, nada, asgjë, 沒什麼, intet, nenio, ei mitään, rien, τίποτα, pa gen anyen, aole, ekkert, ništa, näischt, kahore, niets, nic, ничего, kitu, ไม่มีอะไร, hiçbir şey, dim byd, ohunkohun. Eben – Nichts.

Tot.
Batterie platt.
Verdammt.

Der Anruf bei BMW Martin Schongau ergab, das sie eine Batterie vorrätig haben und ich sie abholen könne. Ok, also auf nach Schongau, Batterie abgeholt und zurück. Das Entsetzen beim Öffnen der Packung war dann aber groß.

Telefonische Rückfrage bei einem Mopped-Bekannten ergab – es ist eine Dry Charge Batterie. Auf deutsch bedeutet das – ich muss die Schwefelsäure selber in jede Kammer einfüllen, das Teil dann Laden und DANACH dann einbauen. Määääpppp. Laden? Wie zum Geier soll ich das Teil laden? Ich habe weder ein Ladegerät, noch eine Steckdose in der Tiefgarage.

Verdammt.
Der erneute Anruf brachte dem Bekannten allerdings auch die Erkenntnis, das solche Batterien tatsächlich noch verkauft werden. Er hat offen zugegeben, das er damit überhaupt nicht gerechnet hätte. Weswegen er mich auch nicht vorgewarnt hatte. Aber was soll ich nun machen mit einer ungeladenen DryCharge Batterie? Hier im Oberland, in der Diaspora Deutschlands, ist Samstags ab 13:00 alles dicht. Hilfe? Fehlanzeige.

Der Anruf beim AvD ergab zwar, das man mich auf jeden Fall in eine Werkstatt bringen könnte … am Montag. Der Servicepartner hatte weder eine Motorradbatterie vorrätig, noch eine Ahnung, wie man diese einbauen könnte.

Der Anruf bei einem Bekannten brachte dann zwar die Erklärung, wie man die Batterie tauscht, aber ohne geladene Batterie ist es müßig darüber nachzudenken.

Der SMS Kontakt zu meinem Ex-Fahrlehrer ergab zumindest, das ich am Montag von ihm ein 12-Volt-Ladegerät bekommen würde. Aber damit steht eben auch fest – keine Motorradtouren dieses Wochenende. Verdammt. Vielleicht baue ich morgen schon mal die alte, defekte Batterie aus. Mal schauen.

Als Ersatzbeschäftigung habe ich dann die 41. Weilheimer Auto- und Motorradausstellung besucht. In den letzten Jahren kamen dort bis zu 10.000 Besucher vorbei. Was für die Größe unseres Ortes nicht grade wenig ist.

Organisiert wird die Ausstellung durch den MC Weilheim e.V, der sich zwar als Motorsport Club bezeichnet, aber keinerlei Motorradaktivitäten anbietet. Dafür bieten sie BMX-/Fahrrad- und Kart-Turniere an, ebenso wie PKW-/Kart-Slalom oder Heimatfahrten und Busausflüge. Das Motorrad im Logo stammt noch aus dem Anfängen dieses Vereins, der sich ursprünglich aus dem Moto-Cross entwickelt hat. Nur das sie inzwischen über keine Trainingsmöglichkeiten mehr verfügen, da sie sich von dieser Sparte getrennt haben. Ist doch logisch, oder? Dafür ist der Hauptsponsor ganz offensichtlich der ADAC. Was auf der Ausstellung auch nicht zu übersehen ist. Und was auf der MC Seite natürlich auch stark beworben wird.

Die Ausstellung an sich findet auf dem Volksfestplatz und in der Hochlandhalle statt. Der Außenbereich ist dabei für die 4-rädrigen Schaustücke reserviert.

Im der Hochlandhalle (errichtet 1937) finden sonst Nutz-/Zuchtkälbermarkt sowie -prämierungen oder Kleintiermärkte statt. Ab und zu auch Flohmärkte oder die Huosigau-Heimattage des seit über 100 Jahren bestehenden Heimat- und Trachtenvereinigung Huosigau, der sich als Gauvereinigung auf die Landkreise Weilheim-Schongau, Landsberg, Starnberg, Fürstenfeldbruck, Aichach-Friedberg und München (Süd) ausdehnt. Brauchtumspflege wird in Oberbayern eben groß geschrieben. Volkstanz und Schuhplattler, Volkslied, Volksmusik, Mundart, Laienspiel, Wallfahrten, Hochzeitsbaum aufstellen, Krippenausstellungen und Krippenweg.

Und DAS sieht man.

Ja, es war ein netter Spaziergang in der Sonne. Aber das wars dann auch. Warum dafür 10.000 Leute aus dem näheren und weiteren Landkreis hierher fahren, kann ich nicht nachvollziehen. Sonderlich gesprächsbereit waren sämtliche dort anwesenden Händler ganz und gar nicht. Vielleicht falle ich auch nicht in das Beuteschema einer potentiellen Kundin. Keine Ahnung. Mann[!] hat mich jedenfalls geflissentlich ignoriert, wie ich da so neben den Motorrädern stand.

Abends habe ich dann angefangen zu frieren. Was sich im Laufe der Nacht über Schüttelfrost und Fieber zu einem ausgewachsenen Virusinfekt entwickelte. Daher stehen die originalverpackte, ungeladene Batterie und ein nicht-betriebsbereites Gelbschen im Keller.

*soifz* Mal schauen, wann ich wieder so weit hergestellt bin, das ich das ganze in Angriff nehmen kann. Sollte spätestens nach Ostern sein. Sonst kann ich immer noch nicht fahren, wenn das Wetter wieder besser ist.

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