Technischer Überraschungs-Verein realoaded

Eigentlich hätte mein Gelbschen seine 2-jährliche Vorsorgeuntersuchung bereits im Mai 2017 gehabt. Aber gesundheitsbedingt konnte ich den Termin nicht wahrnehmen. Abgesehen davon musste ich vorher noch Schrauberkramgedingens erledigen.

Ich habe ein Talent dafür, beim Absteigen zielsicher den rechten, hinteren Blinker zu touchieren. Naja, irgendwann ist es einmal zu viel. Und so ging die Bastelei los.


Auch die beste Kronkorkenhalterung hält irgendwann nicht mehr.
Die Hilfsmittel
Glas runter
Kabel durchfummeln unter Fluchen
Fuß anschrauben, erneut unter Fluchen ob des Platzmangels.
Leuchtmittel anschließen und in den Fuß einklicken
Glas wieder drauf
Ferdsch

Ende Juli habe ich es dann doch noch zum TÜV geschafft. Eigentlich sollte das ein kurzer Termin werden. War ja schließlich alles ok. Dachte ich. Ja, typischer Fall von Denkste.

Der Technischer Überraschungs-Verein und ich, wir werden wohl keine Freunde mehr. Erst die Nummer mit dem Gepäckträger und jetzt das …

Also. Ich komme mit dem Gelbschen auf dem örtlichen TÜV-Gelände an, pünktlich kurz vor dem Termin am 31.Juli 2017 um 09:30 Uhr. Ich trabe lächelnd in das Office, gebe immer noch lächelnd meine Papiere ab und harre der Dinge, die da kommen sollten.

Kann ja nicht lange dauern, ist ja alles ok.

Der TÜV-Prüfer kommt, läßt sich den Schlüssel aushändigen, dreht eine schwungvolle Runde auf dem Gelände und malträtiert die Bremsen. Das Gelbschen tut was es soll. Es bremst. Kräftig. Ich lächle.

Der Prüfer fährt noch eine schwungvolle Runde, malträtiert die Bremsen und das Gelbschen tut was es soll. Es bremst. Noch einmal kräftig. Anschließend fährt er recht gesittet auf den Prüfstand. Ich lächle immer noch.

Kann ja nicht mehr lange dauern, ist ja alles ok.
Määäpppp.

Also, der gute Mann schleicht im Beisein eines jüngeren Kollegen mitsamt seinem Klemmbrett um das Motorrad herum. Linksrum, rechtsrum, kniet sich vor den Auspuff, nochmal linksrum, kniet sich vor den Hinterreifen, schüttelt den Kopf, schaut auf sein Klemmbrett und wiederholt vorangegangenen Ablauf. Ich lächle nicht mehr.

Nach ungelogen 15 Minuten steht er dann vor mir und teilt mir (mit verdammt bösem Blick) mit, das er mein Motorrad per sofort stilllegen würde. Das wäre eine Gefahr für den Straßenverkehr und überhaupt wäre es in keinem zulässigen Zustand. Mir entgleisen die Gesichtszüge.

Er trabt zurück zum Motorrad und kratzt die (eh ungültige) Plakette ab. Ich werde blass und mein Herz rast. Warum stilllegen? Was bitte ist daran nicht zulässig? Ich habe doch vor zwei Jahren auch die Plakette bekommen? Es wurde doch nichts an dem Motorrad verändert? Ich bekomme Schweißausbrüche.

Jaaahhaaaaa … also. Der Auspuff ist unzulässig. Und der Hinterreifen hat in dieser Konstellation keine Zulassung. Er will eine Teileprüfung und die nötigen ABEs von mir und dann würde er noch einmal darüber nachdenken, ob er das Möp wieder zulassen würde. Ich könne mir ja einen Hänger besorgen, weil vom Hof ließe er mich damit nicht mehr. Ich bin einem Herzinfarkt nahe und stammle immer nur noch, das doch alles eingetragen wäre.

Nun ja, ich danke dem Herrgott auf Knien für die Ohren des jüngeren Kollegen, der die Worte vernahm und bei seinem Kollegen in das Klemmbrett schaute. Ich bin den Tränen nahe.

Das Ende vom Lied:
Der jüngere Kollege deutete mehrfach auf meine Papiere, der Prüfer klebte eine neue Plakette auf das Nummernschild, unterschrieb, händigte mir mit missmutigem Blick die Papiere aus, wünschte mir gute Fahrt und rauschte von dannen. Ich zittere, bin naßgeschwitzt.

Jo. Der Prüfer konnte eine so kleine Schrift wie auf dem Fahrzeugpapieren nicht entziffern. Oder nicht lesen. Was weiß ich. Jedenfalls sind sämtliche Änderungen ordnungsgemäß eingetragen und mein Möp ist völlig legal unterwegs. Mich jedenfalls haben diese 40 Minuten einige Jahre meines Lebens gekostet.

Was bin ich froh, das ich erst 07/2019 wieder dort hin muss.

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