Oh, What a Ride

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Nachdem die Planungen für Pfingsten, mit dem Motorrad nach Frankfurt zu fahren, wettertechnisch gescheitert waren, galt es nun es noch einmal zu versuchen.

Die in langer Arbeit optimierte Strecke ist um einiges Kürzer als die über die Autobahn. Und da ich ja kürzlich auch die 6,5 Stunden gut weggesteckt hatte, hieß es nun … auf geht’s.

Klamottentechnisch musste ich nicht viel mitnehmen. Denn zwei Tage wären eh Fahrtage, also brauchte ich nur Kleidung für die anderen 2 Tage. 1 Jeans, 2 T-Shirts, 2 Satz Unterwäsche, 1 Softshelljacke, 1 Paar Schuhe – langt. So schmutzig würde ich schon nicht werden. Das ganze kam in einen Rucksack, der in eine große Plastiktüte und das dann in den kaltverformten Alukoffer.

Verpflegung für die Fahrt: 3 Liter Mineralwasser (ich hasse stilles Wasser), 2 x 0,5 Liter Apfelschorle, 4 Brötchen. 1 Apfel, 1 Tüte Schokoladenkekse. Sollte reichen. Und wenn, dann gibt es an einer Tankstelle sicher Nachschub. Das ganze kam, zusammen mit der Regenkombi, in einen wasserdichten Packsack (von Tchibo) in den zweiten Alukoffer.

Quelle: Tchibo.de

Nach Beladen des Gelbschens, Tanken und Luftdruck prüfen ging es dann um 09:00 Uhr am Donnerstag morgen auf die 450 km lange Strecke. Zuerst über bekannte Streckenteile bis zur B17 (Teil der Romantischen Strasse). Dort dann Richtung Norden also Landsberg am Lech. Was mir auf dieser Autobahn-ähnlich ausgebauten Strecke entgegen kam, war unfassbar. Eine wahre Blechlawine plus hunderte an Motorradfahrern. Wahnsinn.

Gut, das ich in der Gegenrichtung unterwegs war. Denn darin wollte ich nicht stecken müssen. Die erste Pause habe ich nach gut 1 Stunde auf Höhe von Obermeitingen/Klosterlechfeld gemacht, was sich kurz danach als Glück herausstellen sollte.

Strecke Teil 1

Weiter ging es über die B17 nach Augsburg. In Augsburg selber war die B17 während der Pfingstferien eine Großbaustelle. Wußte ich nicht. Was aber auch egal war, da es keine vernünftige Umfahrung gegeben hätte. Und so landete ich halt in der Großbaustelle. Innerhalb kürzester Zeit verwandelte sich der zäh fließende Verkehr in Stop&Go. Da mir allerdings die ganze Zeit ein gleichmäßiger Strom an Fahrzeugen entgegen kam, hat mich das nicht beunruhigt. Nur das das Gelbschen sehr, sehr lange am Blasen war (Lüfter) war weniger schön. Zeitweise stellte sich mir die Frage, ab wann denn die Warnlampe angehen würde. Aber das blieb mir erspart.

Erst als von hinten ein Rettungswagen mit Blaulicht, etc. angeschossen kam, wurde mir etwas anders. Zu diesem Zeitpunkt stand ich, mehr oder weniger, seit 45 Minuten in der prallen Sonne. Raus kam ich nicht, da die Ausfahrten, die auf „meiner“ Seite gewesen wären, eben auf der anderen Seite der Baustelle waren. Nachdem mir dann aber 5 Minuten lang GAR NICHTS mehr entgegen kam, habe ich frecherweise die nächstgelegene Ausfahrt der Gegenrichtung benutzt um weg zu kommen.

Eine Umleitung war nicht ausgeschildert, daher musste ich mir anfangs einen Weg durch Augsburg suchen. Nach einer Weile tauchten dann GsD doch noch die gelben U17 Schilder auf, und es wurde einfacher. Auch wenn mich der Weg dann durch ein Gewerbegebiet führte – ich konnte immerhin fahren und hatte damit auch etwas Kühlung. Nach Gersthofen kam ich dann auf die gewünschte B2 und konnte -nach über 1 Stunde- endlich meinen Weg fortsetzen.

Hinterher erfuhr ich dann, das zunächst gegen 10 Uhr in Richtung Süden ein Pkw-Fahrer auf ein Motorrad prallte. Dessen Fahrer wurde dabei leicht verletzt. Kurz darauf krachten auf der ebenfalls einspurigen Gegenfahrbahn vier Fahrzeuge aufeinander, wobei eine Person leichte Blessuren davontrug. Die Polizei geht laut der Augsburger Allgemeinen davon aus, dass die Beteiligten durch den Unfall auf der Gegenspur abgelenkt waren. Fakt ist – wenn ich die Pause nicht gemacht hätte, wäre ich gegen 10 Uhr an dieser Stelle gewesen. Mit etwas Glück wäre ich durchgekommen, mit etwas Pech genau in diesen Unfall geraten.

Bei Meitingen fand ich dann einen Autohof, auf dem ich meine zweite Pause einlegen konnte. Bis dahin gab es zwar einige wenige Nothaltebuchten, aber sonst keinerlei Möglichkeit sicher anzuhalten. Dort gab es wenigstens eine Toilette und Schatten.

Strecke Teil 2

Nach gut 15 Minuten Pause habe ich zugesehen, das ich wieder loskam. Den Zeitverlust in Augsburg wollte ich nicht noch größer werden lassen. Und so ging es weiter auf der B2 in Richtung Donauwörth. Auch auf diesem Stück ist die B2 wirklich großzügig ausgebaut. Das änderte sich mit dem Wechsel auf die B25 hinter Donauwörth. Es ging weiter in Richtung Nördlingen. Ein schönes, angenehm zu fahrendes Stück, auf dem man auch viel sehen kann landschaftlich. Beeindruckend ist die Fahrt auf Harburg zu. Man sieht plötzlich die mächtige Burg Harburg über dem Tal, nur leider ohne vernünftige Parkmöglichkeit.



Quelle: https://www.flickr.com/photos/annabulf/2672004392

Hinter Nördlingen ging es weiter in Richtung Dinkelsbühl. Ein ruhiges, entspanntes Cruisen mit wenig Verkehr. Kurz vor Dinkelsbühl dann noch eine kleine Pinkelpause. Und Trinkpause natürlich.

Strecke Teil 3

Interessant wurde es hinter Dinkelsbühl. Man hatte mir gesagt, das ich direkt hinter dem Ort links abbiegen und in Richtung Autobahn (Dinkelsbühl/Fichtenau) beziehungsweise Crailsheim fahren müsste. Ja, die Autobahn war ausgeschildert. Nur Crailsheim stand auf keinem einzigen Schild. Seidelsdorf und Westgartshausen, aber kein Crailsheim. Ich war sehr lange nicht sicher, ob ich auf der richtigen Strasse gelandet war. Kurz vor Crailsheim dann endlich der erste Wegweiser. Mann, war ich erleichtert.

Ursprünglich war der Plan gewesen, mich in Crailsheim am Bahnhof mit meinem Gastgeber zu treffen, damit ich die zweite Streckenhälfte nicht alleine fahren muss. Also quer durch die Stadt, durch den Feiertagsverkehr zum Bahnhof. Blöde Idee. Denn was ich nicht mehr mitbekommen hatte bei meiner Kurzpause vor Dinkelsbühl war, das er mir eine SMS geschickt hatte mit dem neuen Treffpunkt – Rot am See. Also kurz telefoniert, wieder aufgerödelt und die 15 km auf der B290 weiter.

Strecke Teil 4

Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits 5 Stunden unterwegs und Wärme und Anstrengung machten sich bemerkbar. So gab es dann halt in Rot am See eine Mittagspause. Tanken musste ich eh bald (253,2 km bis hier her = ca. 60-70 km Restreichweite), warum dann also nicht hier? Nach der Pause fuhr er vorne weg. Er kannte die Strecke schließlich und ich war froh, keine Schilder mehr suchen zu müssen.

Strecke Teil 5

Auf dem Weg nach Bad Mergentheim liegt rechterhand der Wildpark Bad Mergentheim, einer der artenreichsten Tierparks in Europa. Ein Touristenmagnet. Was dort an Fahrzeugen auf dem Parkplatz stand – unfassbar. Völlig überfüllt. Weswegen dann die Dosisten auch die Straßenränder und neben liegenden Felder zuparkten. Der Wahnsinn in Dosen. Aber da wollten wir ja nicht hin, sondern GsD nur daran vorbei. Wir mussten uns das ganze nur anschauen.

Weiter ging es in Richtung Tauberbischofsheim. Ich war bereits ziemlich müde zu diesem Zeitpunkt, wollte die Strecke nach FFM aber unbedingt schaffen. Und so haben wir noch mehrere kleine Pausen eingelegt, statt ins Taubertal zu fahren.

In Miltenberg noch eine größere Pause zum Zucker nachfassen (Eis regelt), den hirnlos durch die Gegen rennenden Touristen bei ihren selbstmörderischen Versuchen zuschauen und dann auf die B469 Richtung Aschaffenburg. Hier wandelt sich die normale Landstraße in eine 4-spurige Schnellstraße. Gut, wenn man müde ist, ist so etwas praktisch. Man muss nicht mehr denken und Kurven fahren auch nicht mehr. Es geht einfach nur noch geradeaus.

Strecke Teil 6

Bei Stockstadt am Main trifft man dann auf die A3 (Ausfahrt 57). Wir fuhren weiter in Richtung Seligenstädter Dreieck. Auf einem kleinen Rastplatz noch eine Verschnaufpause und dann aber auch bald weiter. Wir wollten einfach nur noch nach Hause kommen. Zwischenzeitlich hatte ich das Gefühl, in Trance zu fahren. Sehr irritierend, wenn man zwar seinen Kopf wahrnimmt, der Rest des Körpers aber vollautomatisch handelt. Gut, es war sehr wenig los auf der Autobahn, daher fand ich das nicht schlimm in so einem Zustand zu fahren. Hatte ich doch mehr Kapazität frei, mich auf die Strasse zu konzentrieren. Und es ist gut zu wissen, das die Automatismen inzwischen sitzen und funktionieren.

Am Offenbacher Kreuz dann noch ein Autobahnwechsel auf die A661 in Richtung Bad Homburg. Diese Strecke kannte ich bereits, da ich Anfang des Jahres mit einer Mitfahrgelegenheit die Strecke gefahren bin. In Frankfurt-Eckenheim runter von der Autobahn.

Das letzte Stück ….

Ich war wirklich froh, als ich angekommen war. Noch glücklicher war ich, als um 17:45 Uhr das Gelbschen geparkt und das ganze Geraffel endlich verstaut war. Ich wollte nicht einmal ein Ankommer-Bier, so fertig war ich. Über 8,5 Stunden Fahrzeit (inkl. Pausen) für 450 km. Letztendlich hat mich diese eine Stunde Stau in Augsburg viel mehr geschlaucht, als ich es für möglich gehalten hatte.

Aber – ich hatte es geschafft.

Die Rückfahrt war ein paar Tage später geplant. Dazu kam es leider nicht. Der DWD hatte bereits am Vortag hohe Unwettergefahr durch heftigen Starkregen (mehr als 25 Liter pro Quadratmeter in einer Stunde), großen Hagel oder Hagelansammlungen sowie Sturmböen bis 90 km/h vorhergesagt.

Daher habe ich mich am Sonntagmorgen entschieden, das Gelbschen in Frankfurt stehen zu lassen und mit dem Zug zurück zu fahren. Blöde Idee. Ja, das Unwetter kam wie angekündigt, nur viele Stunden später. Als ich mit dem Zug ankam, regnete es leicht. Und unterwegs war es fast die ganze Strecke leicht bewölkt und/oder sonnig. Trotzdem stehe ich zu meiner Entscheidung, nicht gefahren zu sein.

Es hätte mich auch unterwegs treffen können, was weniger schön geworden wäre. Von daher muss ich demnächst dann noch mal mit dem Zug nach Frankfurt und das Gelbschen abholen. Vielleicht ist es ja am Sonntag trocken. Mal schauen.

Zu guter Letzt noch die gesamte Strecke auf einen Blick:

Strecke Ganz

Nachtrag
Die Unwetter sind tatsächlich noch über die Strecke gezogen. Nur etwas später. Laut Deutschem Wetterdienst ging das ganze gegen 18:00 Uhr so richtig los. Es hätte mich voll erwischt.




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