Höchste Zeit

      11 Kommentare zu Höchste Zeit
Da ich seit dem 29-Juni nicht mehr gefahren bin, wurde es wieder höchste Zeit, das Gelbschen mal wieder traben zu lassen. Und so habe ich am Dienstagnachmittag kurzentschlossen aufgesattelt und bin los. Überlegt hatte ich mir eigentlich nicht, wo es hingehen sollte, aber in Anbetracht des Wetters wollte ich irgendwie an einen See. Die meisten Seen bei mir sind aber mit dem Fahrrad bequem zu erreichen. Dafür hätte ich nicht auf Möp klettern müssen.

Also schon wieder die Ammerseerunde? Hatte ich keine Lust. Starnberger See war mir zu blöd – kenn ich zu gut alles. Staffelsee? Och, nöööö. Eibsee? Ne, da ist die Baustelle für die neue Seilbahn, außerdem kann ich nicht um den See herumfahren. Walchensee/Jachenau? Wäre ne Idee ….

Gelandet bin ich dann aber ganz wo anders.
Die Fahrt führte mich über Murnau am Staffelsee, Bad Kohlgrub, Oberammergau durch das Graswangtal in die Ammergauer Alpen. Falls das irgendwem nix sagt – dort steht Schloss Linderhof. Dieses wollte ich allerdings nicht besichtigen, das kenne ich zur Genüge. Will schließlich jeder Touri hin.

Bildquelle: Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen

Auf einem kleinen Parkplatz kurz hinter Oberammergau habe ich Trinkpause gemacht. Dort war außer mir noch eine Kleingruppe, die kleinstmögliche Gruppe. Zwei Personen auf einem Motorrad. Sie war grade dabei, die Stiefel auszuziehen, da ihr die Füße angeschwollen waren. Füße abkühlen lassen. Die beiden waren aus Magdeburg und wir haben ein kleines Schwätzchen gehalten. Ich habe den beiden dann noch ein paar Tipps für die nächsten Tage gegeben, wo sie noch Touren hinfahren könnten. Also „Local“ hat man ja so seine Vorlieben.

An dem kleinen Rastplatz war in der gegenüberliegenden Wand -wieder mal- eine Marienstatue aufgestellt. Das ist mir allerdings nur aufgefallen, weil ein sehr „dezent“ gekleideter Herr sich während des Aufenthaltes dorthin auf den Weg machte. Steht auch ganz schön hoch, die gute Dame.

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Kurz danach sind wir alle Richtung Österreich/Tirol weiter gefahren. Die Strecke durch das Graswangtal ist landschaftlich wirklich schön. Zwar schmal, aber trotzdem gut ausgebaut mit schmalen Kurven. An der -offenen- Grenze zu Österreich gibt es zwar eine Spitzkehre, aber nach dem Vogesentraining hat mir die wenig ausgemacht. So langsam macht es sich bezahlt, diese Trainingstour im Mai mit dem Traumprinzen gemacht zu haben.

Grenzverlauf mit Kehre

Grenzverlauf mit Kehre

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Am Plansee gab es dann Kaffeepause. Mit Apfelstrudel. Österreichisch halt. Und keine Rosinen drin. Perfekt. Und lecker.
Apfelstrudel und Tee

Apfelstrudel und Tee

Während des Kauens erschienen dann nach einer Weile mehrere andere Motorradfahrer. Darunter auch mal wieder das typisch deutsche Abschreckungsbild …. Warnwesten- und Neon-Helm-Träger.
Abschreckendes Beispiel

Abschreckendes Beispiel

Sorry Leute. Aber das geht mal gar nicht. Das hat mit Sicherheitsgedanken nichts mehr zu tun. Eine Warnweste dient dazu bei allen Notfällen, Pannen und Unfällen die Sichtbarkeit der Helfer bei schlechten Sichtbedingungen wie Nebel, Regen, Dämmerung und Dunkelheit zu verbessern. Nicht, um damit auf dem Motorrad herum zu fahren. Vor wem wollte ihr denn Warnen? Vor euch selber? Nicht im Ernst, oder?

Eine Warnweste ist dazu da, bei ungünstigen Witterungs- und Sichtbedingungen durch die leuchtende Farbe und die reflektierenden Streifen einen für andere Verkehrsteilnehmer leichter erkennbar zu machen. Was soll das im strahlenden Sonnenlicht nützen? Nichts. Die leuchtende Farbe ist nur an Brust und Rücken … die man auf dem Motorrad nicht wirklich sieht. Und reflektierenden Streifen bei Sonnenlicht? Was soll das bringen? Nichts. Wozu also eine Warnweste? Wenn schon Neonklamotten, dann welche, die an Armen und Schultern eine andere Farbe aufweisen. DAS sind die Körperpartien, die der Autofahrer wahrnimmt. Nicht Brust und Rücken.

Aber genug echauffiert.

Mir stellte sich dann die Frage – wie nun weiter? Die Runde über Reutte beenden, oder zurück? Eine Fortsetzung würde eine Verlängerung der Strecke um mind. 50 Km bedeuten. Bei gut 30°C kein Spaß. Daher sattelte ich das Gelbschen und kurvte über Ettal zurück.

Aufgrund von Felsräumungsarbeiten kommt es zur Zeit auf der Staatstraße B 23 zwischen Oberau und Ettal (Ettaler Berg) allerdings zu halbseitigen Straßensperrungen. Die Verkehrsregelung erfolgt über Ampeln. Die anschließenden Asphaltierungsarbeiten werden ab etwa Ende Juli eine nächtliche (19 Uhr bis 6 Uhr), etwa 3 Wochen andauernde Vollsperrung der Strecke verursachen. Ich war aber GsD aus der „richtigen“ Richtung unterwegs, nämlich bergab. So war es kein Problem, vor der Ampel anhalten und warten zu müssen. Irgendwie ist das in meinem Kopf immer noch nicht so richtig gut, was das „Anfahren-am-Berg“ angeht. Aber … alles gut.

Kurz vor der A95 auf Höhe von Eschenlohe muss der geneigte Motorradfahrer die B2 verlassen und kurz auf die Autobahn fahren, da er die beiden Tunnel nicht nutzen darf. Ich bin dann auf der Autobahn geblieben und habe rechts auf Laut gestellt. Abkürzen halt. Spätnachmittags durch Murnau musste ich bei den Temperaturen nicht haben. Zuhause war dann eh erst einmal duschen angesagt.

Und Wasser tanken.
Viel Wasser tanken.
Ganz viel Wasser tanken.

Denn obwohl ich auf der Tour fast 2 Liter Wasser sowie Tee getrunken habe, hatte ich einen Brand wie ne Bergziege.

Fazit:
152 km sehr warme Kilometer. Aber mit dem guten Gefühl, das sich die Vogesen-Kilometer anfangen bemerkbar zu machen. Nicht alle Kurven fahre ich schön, aber ich bin -außer bei einer- immer an der Stelle aus der Kurve gekommen, an der ich sein sollte und wollte. Danke, Schatz.

152 km Dienstagsnachmittagsrunde

152 km Dienstagsnachmittagsrunde

 

11 thoughts on “Höchste Zeit

  1. BlauerEngel

    Sehr schön und erfrischend geschrieben.
    Was die Warnwesten angeht, so sehe ich es genauso wie du. Die Dinger sind ursprünglich konzipiert worden, um vor „Hindernissen“ zu warnen – sei es bei einer Panne, einem Unfall ode Baumassnahmen an/auf der Strasse.
    Leider werden die Warnwestenträger immer mehr; irgendwann kommt unsere Politik vermutlich auf den Trichter, das Tragen der Warnwesten zur Pflicht zu machen *üärgs*

    Ich muss zugeben, dass ich ein wenig neidisch auf dich bin. Du lebst in einer sehr schönen Gegend, die sich ein Motorradfahrer nur vorstellen kann. Egal, in welche Richtung du losdüst – es verspricht immer spassig zu werden 🙂

    DLzG
    dat (B)Eng’lchen

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    1. G'schichtnErzählerin

      irgendwann kommt unsere Politik vermutlich auf den Trichter, das Tragen der Warnwesten zur Pflicht zu machen *üärgs*

      Genau DAS sind auch meine Befürchtungen. Und die vieler anderer. Der Traumprinz unkt immer, das wir irgendwann dann mit Blinklicht auf dem Kopf herumfahren müssen wie Baustellenfahrzeuge. Aber wie will man die dann wahrnehmen?

      Wie soll man dann noch irgendwas wahrnehmen, wenn einem das Denken abgenommen wird statt zu schulen? Ich bin für eine Wiederholung der Fahrprüfung inkl. der Tauglichkeit alle 10 – 15 Jahre. Kostet zwar, schaft aber Tatsachen.

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  2. SonjaM

    Ich habe immer eine Warnweste für Schlechtwetter und Nachtfahrten dabei, und noch eine Winter-Motorradjacke, mit der ich aussehe wie Biene Maja (ich gebe zu, diese Jacke hängt heute meist im Schrank, aber in Kanada hatte ich sie oft an). In England sind diese Leuchtfarben noch viel verbreiteter sind als in DE, da findest Du sogar Harley Fahrer in gelb.
    Ob Warnfarben oder nicht, ich denke es dient in erster Linie zur eigenen Beruhigung (ich hab‘ ja was getan, man wird mich schon sehen…), als zur wirklichen Sicherheit des Motorradfahrers im Straßenverkehr.

    Ein schöner kleiner Rundtripp war das übrigens.

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    1. G'schichtnErzählerin

      Warnweste für Schlechtwetter und Nachtfahrten
      Da ist es ja auch eher angebracht. Aber es hilft trotzdem nichts, wenn 1. der Dosis die Augen nicht aufmacht und 2. der Kradfahrer nur Brust und Rücken gewarnwestet hat. Die Arme sind das, was leuchten muss. Das nimmt man viel eher wahr. Meine Regenklamotten sind an den Armen und Schultern Neongelb mit Leuchtstreifen. Da machen sie ja auch Sinn.

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  3. Funny

    Tzaaa, du überlegst, zu welchem See du mal fahren könntest, während ich zwischen ein paar Schwimmbädern wählen muss. Du bist echt zu beneiden 🙂

    Ich kann mich noch gut daran erinnern, als die Helmpflicht eingeführt wurde und unter Bikern schon ordentlich gemurrt wurde. Heute ist es selbstverständlich und natürlich auch vernünftig. Gleiches mit der Anschnallpflicht und der erweiterten Anschnallpflicht auf der Rückbank. Mal sehen, wie sich das mit den Warnwesten entwickelt und wann es einfach so ist, dass die getragen werden.

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    1. G'schichtnErzählerin

      Du bist echt zu beneiden
      Dann komm mal während der Ferien hierher. Du bekommst Schreikrämpfe mit dem Touristenvolk. Motorradfahren macht in dieser zeit echt keinen Spaß mehr. Und an eine See? Vergiss es. Übervölkert mit Touristen.

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  4. Minya

    Meine erste Jacke und auch die von meinen Winterklamotten ist Neongelb. Da ich mittlerweile auch andere Farben fahre, kann ich einen Vergleich ziehen. Mit Neon wirst Du tatsächlich besser wahrgenommen. Es bedeutet aber keinen Freifahrschein. Es gibt noch genug Trottel da draußen, die egal was neben ihnen ist, fahren wie sie wollen und dann erst schauen.
    Als die Pflicht eingeführt wurde, daß Motorräder am Tage mit Licht zu fahren haben, habe ich mich auch gefreut darüber. Ich sehe es nun allerdings sehr skeptisch, daß heute auch die Autos tagsüber mit Licht fahren. Es wird die bessere Sichtbarkeit angeführt. Auch die werden irgendwann noch gelbe Blinklichter aufs Dach bekommen. Nun sind aber wieder wir Motorradfahrer benachteiligt. (dazu gibt es immer mehr Zeitgenossen, die tagsüber auf dem Möpi kein Licht anhaben. Vermutlich weil die Lampe durchgebrannt ist und sie es nicht mitbekommen haben, oder weil das Austauschen so schwer ist.)
    Dadurch, daß nun ziemlich alle mit Licht rumgurken, steigt die Reizschwelle wieder. Die Dödel denken sich „Alle haben ja Licht an, da kann ich ja keinen übersehen…!“ und schalten das Hirn ab, oder lassen es gleich daheim.
    Ich bin sehr viel mit dem Auto unterwegs und muss sagen, daß ich tatsächlich neongelbe Biker besser wahrnehme als andere. Ich sehe sie eher.

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  5. Marcus Berndt

    Diesen Sommer trage ich zum erstenmal keine Warnweste am Tage. Aber das liegt daran, daß ich ne andere Jacke habe…
    Für Ausfahrten die auch über Nacht gehen, oder im Dunkeln enden, packe ich das Teil ein, und ziehe es bei Bedarf über…

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  6. HeikeK

    Ich sehe das wie Minya.
    Und stimme ihr zu: viele ziehen die Weste an und gucken dann nicht mehr – sie fahren drauflos, frei nach dem Motto „Die anderen sehen mich ja, also … GasGasGas …“.
    In Dänemark fahren sehr viele motorisierte Zweiradfahrer mit Weste, und Tagfahrlicht ist da schon seit Jahren vorgeschrieben. Die Dänen haben aber eine andere Mentalität als die Deutschen – sie sind Hyggeligt – sprich: gemütlich. Oft genug wird einem Motorradfahrer die Fahrt gelassen, auch wenn der PKW Vorfahrt gehabt hätte.
    In Deutschland so gut wie undenkbar.
    Als Autofahrer nehme ich das gepflegte Schwarz eines Bikers kaum wahr – im Vergleich zum Biene Maja Outfit.
    Toleranz und Respekt unter Bikern? War mal. Die Schwarzen grüßen die Leuchtkäfer nicht, die Klapphelmträger grüßen nur ihre eigene Drei-Buchstaben-Riege (außer Minya, die grüßt ALLE) … etc.
    Mir ziemlich wumpe, was ein Motorradfahrer trägt. Aber bei einem Punkt bin auch ich angekotzt … Sozia in Shorts, mit Badelatschen geht GAR NICHT. Da würde ich den Fahrer gerne vom Sattel zerren und hochkant nackt über den Asphalt schleifen. Nur damit er mal kapiert, was Sache ist …

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  7. Minya

    Mir sind gestern, bis auf einen, nur Leute mit T- Shirt, kurzer Hose und Schlappen begegnet. Auf allem was man sich zweirädrig mit Motor vorstellen kann.
    Der Typ, der mich neulich im Tiefflugmodus am Frankfurter Flughafen auf der A3 überholt hat, war auch nicht viel besser. Der hatte etwas an, das fast wie ein Schlafanzug aussah. Auch da raspelt man sich alles bis zum Knochen weg im Falle des Falles.

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