Mal was anderes … Schottland, Part N°2 – zu Wasser

Tag 8 (25-Juni-2016): Largs
Heute nun sollten die fehlenden zwei Crewmitglieder ankommen. Bis gestern hieß es, das der Eisenbahnstreik weiterhin bestehen würde. Es war eine wirklich stressige Angelegenheit, es von Schottland aus zu organisieren, die beiden nach Largs zu bekommen. Das Problem erübrigte sich aber dann morgens, als klar war, die Züge fahren alle wieder.

Für uns in Largs war der Stress also vorbei. Die beiden würden problemlos hier her kommen können. Daher war vormittags dann die Übernahme der Yacht angesetzt. Eine Jeanneau Sun Fizz 40 namens Disk Drive, Baujahr 1986. Wer auch immer auf diesen Namen gekommen ist … *kopfschüttel*

Die Übergabe durch Robert, den Eigner, erfolgte mehr als gründlich. Alles in allem dauerte es gut 1,5 Stunden bis alle Sicherheitseinrichtungen, etc. erklärt und gezeigt worden waren. Die Disk Drive verfügt allen Ernstes über 5 (!) Rauchmelder und 8 (!) Feuerlöscher. Aber dazu später mehr. Während der Übergabe trafen dann die beiden letzten ein und es konnte ans Einräumen gehen. Irgendwo muss das ganze Geraffel ja hin, dass man so benötigt.

Disk Drive

Disk Drive

Packliste

meine persönliche Packliste

Im Vorfeld des Urlaub kam ein Crewmitglied mit der Idee, eine Deutschlandflagge am Charterschiff zu befestigen, schließlich sei doch Fußball-EM. Die Deutschlandflagge konnte der Traumprinz ihm schnell ausreden, schließlich zieren die Fahnen Segelschiffe nicht ohne Grund und sie werden nach einem festen Reglement hochgezogen. Das Crewmitglied dachte nach und brütete ein neues Ergebnis aus: Wir fahren mit einer Europaflagge. Und so wurde bereits kurz nach Ankunft dieses bunte Stück Stoff regel konform hochgezogen.

Nach dem restlichen Ausladen der Wanderdüne musste noch eingekauft werden. Wir würden ja nicht jeden Tag essen gehen können. Und so wurde die Wanderdüne vollgepackt mit allem, was 5 Personen so benötigen. Abend gab es ein noch gemeinsames Törn-Start-Essen im Marina-Restaurant mit leckerem, nicht frittiertem Steak, Bier und die allgemeine Erkenntnis, das frühes Schlafengehen eine durchaus valide Option wäre. Wir wollten ja früh los.

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Tag 9 (26-Juni-2016): Largs – Campbeltown
Natürlich kamen wir nicht so früh raus, wie wir geplant hatten. Aber immer noch früh genug, um den Strom mit uns zu haben. Anfangs war es noch sonnig mit 6er (in Böen 9) Wind, der stetig zunahm. Schöner Segelwind eigentlich. Nur leider sehr unruhige Dünung. Der Versuch, auf die Toilette zu gehen, wurde für persönlich zur Herausforderung. Der Schulteranrempler habe ich den Rest des Urlaubs noch sehr zu spüren bekommen. Es war doch eine ausgewachsene Prellung. Leider schlief der Wind im Laufe des Nachmittags ein und wir mussten unter Motor weiter.

Durch die starke Dünung wurde der Traumprinz Bruder seekrank. Er ging dann im Laufe des Abends auch noch Fische füttern. Mir war furchtbar übel, das Essen konnte ich aber GsD bei mir behalten Was aber wohl mehr der Tatsache geschuldet war, das ich mich hingelegt hatte. Ab 00:30 Uhr mussten wir beide trotzdem auf Nachtwache, der Rest der Crew muss schließlich auch schlafen. Sie waren ja den ganzen Tag wach gewesen. Die Ankunft in Campbeltown war schlussendlich um 03:00 Uhr morgens. Der Hafen war leider zu voll und zu eng, um bei der allgemein vorherrschenden Müdigkeit noch zu rangieren. Daher Mooring gefischt. Das Ankommerbier habe ich mir erspart.

Largs - Campbeltown

Largs – Campbeltown

Campbeltown (Navionics)

Campbeltown (Navionics)

Tag 10 (27-Juni-2016): Campbeltown – Port Ellen
Nach der langen, anstrengenden Nacht haben wir alle wirklich lange geschlafen. Bezeichnend war, das die allgemeine Aversion gegen das labbrige Toastbrot massiv zunimmt. Für die nächsten Tage müssen wir uns etwas einfallen lassen. Sonst kommt es eventuell noch zur Meuterei… Aber wenn nichts anders da ist, wird es halt doch gegessen.

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Nach dem Verlassen des Hafens konnten wir direkt die Segel hoch ziehen und mit durchschnittlich 6-7 kn Geschwindigkeit ab in Richtung Islay segeln. Wir hatten einen guten Zeitpunkt erwischt – der Strom würde uns eine Weile ziehen. Leider schlief gegen 19.00 Uhr der Wind doch wieder ein und der Motor musste an. Wieder unruhige Dünung. Dieses Mal ist mir sterbensschlecht. Ich bin dann schlafen gegangen, in der Hoffnung auf Besserung. Wach wurde ich erst wieder gegen 01:45 Uhr durch den Tiefenalarm im Hafen von Port Ellen. Aber da der Traumprinz diesen gut kennt, war alles sehr einfach. Auch heute habe ich mir das Ankommerbier gespart.

An diesem Tag haben wir alle zum ersten Mal ein Pan-Pan gehört, im Seefunk die Dringlichkeitsmeldung. Eine Segelcrew hatte versucht, in die Lagavulin Bay zu fahren. Was ihnen aufgrund der Bodenbeschaffenheit zum Verhängnis wurde. Das Royal National Lifeboat (Klick) war sehr schnell alarmiert, bis zum Eintreffen vergingen aufgrund der großen Entfernung aber über 1,5 Stunden. Das Lifeboat liegt in Port Askaig. Als die Meldung dann einige Stunden später aufgehoben wurde, waren wir alle sehr froh. Trotzdem macht es einem bewusst, wie lange man im Zweifel warten muss, bis Hilfe kommt.

Campbeltown - Port Ellen

Campbeltown – Port Ellen

Port Ellen (Navionics)

Port Ellen (Navionics)

Tag 11 (28-Juni-2016): Port Ellen, Islay
Ruhetag. Nach der nächtlichen Ankunft war wieder ausschlafen angesagt. Das Anlegen war wohl durch den aufgekommenen Wind nicht so ganz einfach. Daher waren die anderen ziemlich geschafft.

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Mittags sind wir dann mit dem Bus zu Ardbeg. Leider waren alle Führungen ausgebucht und zudem noch das Haggis schon aus. Blöd. Mittagessen gab es aber trotzdem. Ein nicht-frittiertes Steak lässt man sich ja nur ungern entgehen.

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Nach dem leckeren Essen sind wir zu Fuß über Lagavulin und Laphroaig zurück zum Boot gelaufen . Alles drei (Ardbeg (gälisch ard bheag – kleine Anhöhe), Lagavulin („Mulde, in der die Mühle steht“), Laphroaig (lag (Senke), breiðr vik (breite Bucht)) im übrigen sensationell gute Destillen. Der Fußweg, der vor kurzem errichtet wurde, führt einen an der Küste entlang und biete wunderschöne Ausblicke auf die einzelnen Buchten. Leider war es ziemlich nass an diesem Tag.

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Lagavulin Bay

Lagavulin Bay

Tag 12 (29-Juni-2016): Port Ellen, Islay
Noch ein Ruhetag. Die Crew wollte unbedingt eine Destillerytour machen und daher am Vorabend entschieden, einen Tag länger auf Islay zu bleiben. Eigentlich war früh aufstehen angesagt, aber wir schafften es nur so grade eben den Bus noch zu erwischen, der uns zu Ardbeg bringen sollte. Heute war war Wetter toll. Zum ersten Mal schien seit Tagen die Sonne. Vor der Tour gab es noch ein wunderbares Mittagessen – Ofenkartoffel mit Haggis. Endlich mal Haggis.

Haggis ist wirklich lecker. Jedenfalls bei Ardbeg.

Haggis ist wirklich lecker. Jedenfalls bei Ardbeg.

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Die Tour selber war sehr kurzweilig. Unser Guide hatte einige nette Geschichten aus seinem Berufsleben zu erzählen, was das ganze sehr spaßig machte. Ich kann diese Touren nur empfehlen. Man sieht und erfährt sehr viel. Und bei der großen Tour gibt es zum krönenden Abschluss noch ein paar feine Samples aus dem aktuellen Portfolio zum probieren.

Nach der Tour fuhren der Traumprinzen Bruder und ich noch mit dem Bus nach Bowmore, da dort der einzige internationale Geldautomat steht. Wir brauchten mal wieder schottische Pfund. Abends wurde wieder gemeinsam gekocht. Eigentlich müssten wir morgen früh raus (08:00 Uhr), damit der Strom uns zeihen kann. Aber selbst um 23:45 Uhr waren alle irgendwie noch wach.

Tag 13 (30-Juni-2016): Port Ellen – Craighouse Bay
Tja, das war wohl nichts. Wir waren definitiv zu spät dran, der Strom steht fast gegen uns. Daher fiel relativ schnell die Entscheidung, in der Craighouse Bay an die Mooring zu gehen. Dort hatte vor 4 Jahren der Traumprinz so sein ganz spezielles Erlebnis, als der damalige Skipper unter Missachtung der Seekarten voll auf und über die Felsen an der Mündung der Bay rumpelte. Dieses Trauma galt es nun zu beseitigen. Aber – alles halb so wild. Wir kamen gut an und konnte im ersten Anlauf direkt die Mooring fischen.
Bild gefunden bei Bluebottle Sailing Round Britain

Bildquelle: Bluebottle Sailing Round Britain

Ein ruhiger Segeltag, von dem ich noch nicht einmal Bilder gemacht habe. Auch nicht von der Dighifahrt zweier Crewmitglieder ans Land. Sie wollten unbedingt wissen, wie das so funktioniert da sie noch nie Dighi gefahren sind. Wir anderen haben währenddessen die Baumleinen sortiert, die sich den ganzen Tag über immer wieder verklemmt hatten.

Port Ellen - Craighouse Bay

Port Ellen – Craighouse Bay

Craighouse Bay  (Navionics)

Craighouse Bay (Navionics)

Tag 13 (01-Juli-2016): Craighouse Bay – Scalasaig, Colonsay
Tatsächlich schafften wir es, wie geplant losgekommen. Geplant war für heute den Sound of Islay (Klick) zu fahren. Diese Meerenge verläuft zwischen der Isle of Islay und Jura. Durch diese Enge gibt es hier je nach Gezeiten starke Strömungen, gegen die man anfahren müsste wenn man zum falschen Zeitpunkt hier ist. Die Schotten planen, hier ein Gezeitenkraftwerk zu erreichten. Was dann wiederum für die Segelschiffahrt spannend werden könnte.

Heute schien tatsächlich mal die Sonne und so konnten wir das Panorama genießen. Auf dieser Seite der Insel liegen noch einmal zwei Destillen, Caol Ila (gälisch für Islay-Sund) und Bunnahabhain (Ursprung des Flusses).

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Unsere Europaflagge

Unsere Europaflagge

Der Wind stand heute sehr günstig, und so konnten wir nach dem Sound of Islay die Segeln rausreißen und den restlichen Tag segeln. Unser heutiges Tagesziel hieß Colonsay. Eine Insel, die von grade einmal 90 Menschen bewohnt wird und auf der der Traumprinz vor ein paar Jahren schon einmal gewesen war. Leider gab es keinerlei Unterlagen an Bord über die Insel und so mussten wir auf die Erinnerungen des Traumprinzen setzen.

In Scalasaig gibt es einen Fähranleger, an dem auf der abgewandten Seite auch Yachten festmachen dürfen. Was einerseits sehr praktisch ist, anderseits aufgrund des Tidenhubs auch ziemlich anstrengend. Wir alle hatten noch nie in einem Tidegewässer an einer Mauer gelegen und waren etwas nervös, wie sich gut 3 Meter auswirken würden. Aber nachmittags war Hochwasser, und so konnten wir über die Algen bewachsene Metall-Leiter von Bord auf den Fähranleger klettern, um spazieren zu gehen.

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Craighouse Bay - Scalasaig, Colonsay

Craighouse Bay – Scalasaig, Colonsay

Scalasaig (Navionics)

Scalasaig (Navionics)

Tag 14 (02-Juli-2016): Scalasaig, Colonsay – Oban – Dunstaffnage
Die Nacht war, wie befürchtet, unruhig. Die Yacht zerrte an den Springleinen und der Schwell tat sein übrigens. Morgens beim Ablegen war Niedrigwasser. Daher musste das Ablegen mehr als gut durchdacht werden. Aber die Männer waren kreativ und haben durch eine tolle Leinentechnik die Yacht punktgenau auf der Stelle gedreht. Leider schüttete es zu diesem Zeitpunkt wie aus Eimern. Das gab sich aber noch einiger Zeit und es wurde ein toller Segeltag. Leider gab es auf Höhe der Isle of Mull dann heftige Fallwinde, die uns einen Versatz von fast 40° zum Kurs brachten.

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An diesem Abend war das EM Viertelfinal-Spiel Deutschland gegen Italien. Daher war klar: wir brauchten für diesen Abend eine Marina. Der erste Versuch war die Oban Yacht Marina. Kurz gesagt: der letzte Rotz !! Keine Rezeption, keiner erreichbar. Kein Pub, keine Duschen. Nix. Also Rekordstart, auf zur nächstgelegenen Dunstaffnage Marina.

Der Traumprinz hat dort die letzten Jahre gechartert und kannte sie gut. Seit seinem letzten Besuch ist die Marina allerdings grundlegend umgebaut worden und wir mussten am äußersten Schwimmsteg festmachen. Der Weg in den Marina Pub war sehr, sehr weit. Aber – wir waren rechtzeitig zum Anpfiff dort und der Traumprinz konnte uns sogar noch etwas warmes zu essen organisieren. Danke, Schatz!

Wie bekannt, ging das Spiel mit 6:5 nach Elfmeterschießen an Deutschland. Dieser schwere Sieg musste gebührend gefeiert werden und so war der laaaaaaaaaaaaaaange Rückweg schon sehr beschwerlich.

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Scalasaig, Colonsay - Oban - Dunstaffnage

Scalasaig, Colonsay – Oban – Dunstaffnage

Oban Yacht Marina

Oban Yacht Marina

Dunstaffnage Marina

Dunstaffnage Marina – sieht heute vollkommen anders aus!

Tag 15 (03-Juli-2016): Dunstaffnage – Tobermory
Nach dem Ausschlafen wurden erst einmal die Duschen ausgiebigst genutzt. So neu … das musste einfach sein. Ausgelaufen sind wir letztendlich es mittags. Leider hatten wir heute den Wind voll von vorne, daher war an Segeln nicht zu denken. Also unter Motor los. Im Sound of Mull hatten wir dann endlich Wind und der Traumprinz, der sonst nur Skippern konnte, hat sich selber mal ans Ruder gestellt. Klar, 9 – 10 Knoten über Grund bei 30° Schräglage musste einfach sein. Wir sind nur so durchs Wasser geflitzt. Er hatte es halt „etwas eilig“ … und hinterher ein fettes Grinsen im Gesicht.

Tobermory ist wohl die „most scenic Town in Scotland“, was ich auch bestätigen kann. Ein nettes, kleines Fischstädtchen das mit seinen buntes Häuserfassaden wirklich niedlich ist. Wir hatten dann auch noch Glück, die vorletzte Box zu erwischen und so bequem an Land gehen zu können.

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Der Lifeboat-Mensch, den wir beim Spazieren gehen trafen, erzählte uns (nachdem er unsere Flagge gelobt hatte) von seinem letzen Einsatz. Eine Segelyacht hatte ihren Mast verloren und musst ein die Marina geholt werden. Einfach so gebrochen, obwohl der Wind nicht sooo stark gewesen war. Das Boot sah schlimm aus. Aber der Crew ist nichts passiert, keine Verletzten an Bord. Viel Glück im Unglück.

Bildquelle: Tobermory RNLI Lifeboat

Bildquelle für alle 3 Bilder: Tobermory RNLI Lifeboat

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Eigentlich wäre heute noch Einkaufen geplant gewesen, wurde dann aber zugunsten eines Bar-Meals verschoben auf den nächsten Morgen. An diesem Abend fertigte Frankreich den bisherigen Liebling Island mit 5:2 ab. Leider. Kurz vor Mitternacht waren wir dann wieder an Bord. Und natürlich regnete es. Wieder mal.

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Dunstaffnage - Tobermory

Dunstaffnage – Tobermory

Tobermory (Navionics)

Tobermory (Navionics)

Tag 16 (04-Juli-2016): Tobermory – Crinan
Ein Tag zum vergessen. Aufgewacht mit brüllenden Kopfschmerzen und unfassbarer Übelkeit. Dank Schmerzmitteln viel geschlafen. Zwischendurch kurz mal wach gewesen … der Traumprinz spricht französisch? Wir sind doch in Schottland?! Sehr merkwürdig. Wach geworden bin ich erst gegen 16:20 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt habe ich auch erfahren, das ich nicht die einzige war, der es an diesem Tag so furchtbar schlecht ging.

Nach dem Frisch machen habe ich noch eine Kleinigkeit gegessen und anschließend den Auto-Piloten bewacht. Und auf Anweisungen die jeweilige Richtung geändert. Autopilot, da wir den ganzen Tag unter Motor fahren mussten. Die See war spiegelglatt, fast kein Wind. Aber das war ok. uns ging es nicht gut und so kamen wir trotzdem an unser Ziel.

Das heutige Tagesziel hieß Crinan. Dort ist der Eingang zum Crinan Canal, der uns über 160 sm Umweg erspart und den wir ja bereits im Vorfeld besucht hatten. Nahe beim Eingang ist ein Bojenfeld, in dem wir dann die Nacht verbracht haben.

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Dem Traumprinzen Bruder war allerdings etwas langweilig, und so wurde wieder mal das Dinghi ausgepackt. Er hatte seinen Spaß, auch wenn er durch die Sitzhaltung ein wenig nass wurde. Aber – Hauptsache zufrieden.

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Eingang Crinan Canal

Eingang Crinan Canal

Tobermory - Eingang Crinan

Tobermory – Eingang Crinan

Tag 17 (05-Juli-2016): Crinan Eingang – Lock 8
Morgens wieder schmerzfrei. Gott-sei-Dank. Auch das Frühstück schmeckte wieder. Also auf zum Canal. Der Anruf bei der Canal Verwaltung ergab eine „Verspätung“ von 15 Minuten, in denen wir vor den Eingang Kreise ziehen durften. Dafür konnten wir einem sehr schönen Holzboot beim schleusen zuschauen.

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Die Schleusen 15 und 14 liefen völlig stressfrei. Auch wenn es etwas irritierend war, das der Schleusenwärter uns in Lock 15 erzählt, das wir derzeit Niedrigwasser hätten. Aber wir sollten uns keine Sorgen machen. „It’s just more fun for you.“ Hää??? Nun gut…. es wurde dann tatsächlich auch „much more fun“.

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Leinen werfen will gelernt werden.

Leinen werfen will gelernt werden.

Im Crinan Canal ist übrigens Lifebelt-Tragepflicht. Und wie man sieht, nicht ohne Grund. An Schleuse 14 hatten wir dann auch noch einmal Hilfe, da wir nicht alleine schleusen sollten, sondern mit einer weiteren Yacht im Lock. Danach waren wir auf uns selber gestellt. Der Canal selber ist zwar künstlich angelegt, sieht aber ganz und gar nicht danach aus. Grade auf dem ersten Stück ist die Vegetation unbeschreiblich schön.

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Neben dem Canal verläuft ein Flussdelta, was aufgrund des fehlenden Regens der vorangegangenen Wochen ziemlich leer war. Normalerweise ist dort wesentlich merh Wasser.

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Google Earth Bild

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Am heutigen Tag schafften wir es bis Lock 8. Als wir dieses jedoch passieren wollte, war es so spät, das die Canal Verwaltung bereits die Kurbeln für die Schieber eingesammelt hatte. Sie wollen damit verhindern. das nachts jemand die Schleusen benutzt und Mensch und/oder Material zu Schaden kommen. Daher mussten wir anlegen und über Nacht bleiben. Die Gelegenheit zu Duschen. Nur … die war bei Lock 5. Ein ziemlich weiter Weg für eine Dusche. Aber wenn man den ganzen Tag die Schleusentore auf und zu geschoben hat braucht man die. Besser gesagt … man WILL eine Dusche. Warmes Wasser gab es genug und ich war hinterher wieder sauber.

An diesem Abend bekamen wir es dann auch das erste Mal mit den schiffseigenen Rauchmeldern zu tun. Beim Anbraten des Abendessens legte nicht etwa der im Salon los. Nein, der in der Koje vom Traumprinzen und mir. Und er gab und gab keine Ruhe, bis wir die Batterie ausbauten. Sonst wäre es recht unruhig geworden für alle. Wobei ich so platt war, ich bin mir nicht sicher, ob ich das Gejaule gehört hätte.

Lock 12 bis 9

Lock 12 bis 9

Lock 8 bis 5

Lock 8 bis 5

Tag 18 (06-Juli-2016): Crinan Lock 8 – Tarbert
Heute wird „nach unten“ geschleust. Das macht es einfacher für die an den Leinen. Und da ich gestern den ganzen Tag die Tore bedient hatte, war ich froh, einen weniger anstrengenden Job zu haben. Wobei man sich das einfacher vorstellt, als es ist. Es erfordert viel Kommunikation zwischen der vorderen Leine und der hinteren. Sonst liegt das Boot ganz schnell schief.

Bis zur letzten Seeschleuse in Ardrishaig lief es dann aber super. Dort haben wir das letzte Manöver völlig verkackt. Keiner war darauf vorbeireitet, das uns die Canal Verwaltung unbedingt noch in Lock 1 nehmen wollte, um dieses voll zu machen. Und so rempelten wir mit dem Boot heftig an die Betonwand. Nicht gut, nicht schön. Das wird den Vercharterer freuen. Hoffentlich gibt es die Kaution zurück.

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Von Ardrishaig ging es dann unter Segeln bis Tarbert, East Loch Fyne. Den ganzen Nachmittag Wind und viele Segelmanöver. Was dazu führt, das alle stehend k.o waren bei der Ankunft. Trotzdem gab es abends wieder „Skipper-Dinner“. Unser traditionelles Entenessen. Dafür wurde vor dem Urlaub extra aus Frankreich das benötigte Zeug geholt. Französische Luxuskonserven. Segelurlaub ohne Ente geht einfach nicht.

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Crinan Lock 8 - Tarbert, East Loch Fyne

Crinan Lock 8 – Tarbert, East Loch Fyne

Tarbert, East Loch Fyne (Navionics)

Tarbert, East Loch Fyne (Navionics)

Tag 20 (07-Juli-2016): Tarbert – Ardrossan
Tag des EM-Halbfinales Deutschland gegen Frankreich. Also brauchten wir eine Marina und einen Pub mit Fernseher. Aber da das Wetter gut (trocken) war und der Wind relativ günstig, konnten wir auch heute wieder ausgiebig segeln.

Lustig wurde es, als wir in der Hafen von Ardrossan einliefen. Da dies zugleich ein großer Fähranleger ist, gibt es dort einen Tower. Gut, der Mann dort oben konnte nicht wissen, das wir den Fährplan an Bord hatten und genau wussten, wann die Fähre abfahren würde. Er brüllte uns vom Tower herab kräftig an. Wir haben ihn ignoriert und zugesehen, das wir in den inneren Bereich des Yachthafens kamen.

Der Hafenmeister konnte uns hinsichtlich eines Pubs schnell helfen, und so trabten wir los. Im Pub gab es nichts zu essen, daher mussten wir dann quer über die Strasse zu einem Schnellimbiss um uns für das Spiel etwas mitzunehmen. Also mal ganz ehrlich … ich weiß, die Schotten frittieren alles. Aber „Battered Cheeseburger“?? Doch. Gibt es, ist unfassbar fettig.

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Deutschland hat 0:2 verloren. Über den Rest des Abends decke ich den Mantel des Schweigens.

Nein, nicht ganz. Der Pub war für mich persönlich ein Highlight des Törns (also des Drumherums), so ein richtig uriger Laden. Die Menschen dort, mit denen wir ins Gespräch kamen waren toll. Sie haben sich auch kaum über die komischen Deutschen gewundert, die unbedingt mit Schal und sonstiger Fanmontur Fußball schauen wollten. Im Gegenteil. Wir sind sehr wohlwollend aufgenommen worden. Zum Abschied hat der Traumprinz der Wirtin noch seinen Deutschlandschal überlassen als Erinnerung und bekam im Gegenzug dafür einen große Schottlandflagge geschenkt, die nun sein Büro ziert.

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Tarbert, East Loch Fyne - Ardrossan

Tarbert, East Loch Fyne – Ardrossan

Ardrossan (Navionics)

Ardrossan (Navionics)

Tag 21 (08-Juli-2016): Ardrossan – Largs
Beim Ablegen gab es aufgrund des vorherigen Abends kleinere Probleme mit dem Leinenmanöver. Aber, wen wunderts? Der Tower schweigt bei der Ausfahrt, und das obwohl wir kurz vor der Fähre raus fahren. Die Segelversuche mussten wir nach 30 Minuten aufgeben, weil der Wind einfach nicht mitspielen wollte. So wurde eben doch der Diesel angeworfen. Half ja nichts. Wir mussten ja heute noch ausräumen.

Die Anlegemanöver sowohl an der Tankstelle, als auch in der Box liefen hervorragend. Man(n) kennt das Schiff ja inzwischen. Der Traumprinz war ganz stolz, das zum ersten Mal nichts überlief beim Tanken (muss ich extra betonen). Anschließend wurde ausgeräumt und geputzt. Bei unserem Boot gab es nämlich keine Endreinigung. Die Übergabe war erstaunlich kurz trotz der Schäden aus dem Crinan Canal. Es sieht so aus, als würden wir einen Großteil der Kaution wiederbekommen.

Anschließend noch duschen und dann Abschlußessen. Im geplante Restaurant hatten die Küche schon zu, das Nachbar-Restaurant war sackteuer. Aber auch gut. Die letzte Nacht an Bord war für alle etwas wehmütig. Schade, das es vorbei ist.

Ardrossan - Largs

Ardrossan – Largs

Tag 22 (09-Juli-2016): Largs – Newcastle
Da zwei Crewmitglieder wieder zum Flughafen mussten, mussten wir alle früh aufstehen. Nach dem letzten gemeinsamen, hastigen Frühstück fuhr der Traumprinz die beiden zum Bahnhof, während Traumprinzens Bruder und ich noch einmal Klar-Schiff machten… staubsaugen, abwaschen, Deck noch einmal spülen. Danach wurde der Rest ins Auto gestopft und los ging es Richtung Fähre.

Unterwegs haben wir dann noch den Hadrianswall besucht. Wobei uns die Ausstellung aber viel zu teuer war, für das erwartete. Abgesehen davon mussten wir ja pünktlich in Newcastle ankommen.

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Schwarze Schafe gibt es überall

Schwarze Schafe gibt es überall

An der Fähre waren wir dann leider viel zu früh und mussten das Auto auf Deck 6 abstellen. Das würde ewig dauern am nächsten Morgen. Oh jeh. Genauso unschön war die Tatsache, das unsere Kabine ebenfalls auf Deck 6 lag. In Hörweite der Motoren. Furchtbar laut und dröhnend. Außerdem war die Kabine enger und kleiner als die auf der Hinfahrt. Aber, es war ja nur für eine Nacht und mit genug Alkohol würde der Schlaf schon von alleine kommen.

Dann das nächste Ärgernis. Trotz Reservierung volle 45 Minuten warten auf das Abendessen (Steakhaus) und was passiert? Alle 3 Steaks sind kalt !! Der Ober war zwar sehr bemüht, uns zu helfen, aber als dann auch noch die Ofenkartoffeln aus sind, langt es mir. Da hilft auch das kostenlose Glas Weißwein nicht drüber hinweg, das ich noch nie einen so enttäuschenden Abend hatte. Wenig später kam dann das zweite Essen mit gekochten Kartoffeln, aber ich war über den Hunger weg. Mein Magen hatte schlicht und ergreifend irgendwann zu gemacht. Und so konnte ich fast nichts mehr essen. Wir haben den Abend dann mit dem übrig gebliebenen Bordbier/Bordäppler auf dem Oberdeck ausklingen lassen und waren um 01:30 in Bett.

Auf Wiedersehen Schottland.

Auf Wiedersehen Schottland.

Fazit:
Schottland ist schön. Egal ob mit dem Auto, oder dem Segelboot – Ich war auf jeden Fall nicht zum letzten Mal hier. Unsere Europaflagge ist ständig aufgefallen. Wir sind jeden Tag mehrfach darauf angesprochen worden und ob der schönen Flagge gelobt worden („I like your Flag!„). Selbst von Kindern und Jugendlichen. Man merkt, das die Mehrheit der Schotten Europa nicht verlassen möchte. Ich bin gespannt, ob und wann es eine neues Unabhängigkeits-Referendum gibt.

Und auch wenn der Temperaturschock bei der Rückkehr aufs Festland heftig war (11-15° in Schottland, 26-28° in Deutschland) würde ich das wieder in Kauf nehmen. Das Land und die Menschen sind es einfach wert. So viele freundliche, offene Menschen findet man in Deutschland selten.

Das einzige, das wirklich, wirklich gruselig war, war das Essen. Ich kann bis heute nichts frittierte sehen, riechen, geschweige denn essen. Und ich hätte mir nie vorstellen können, wie sehr man sich über Gemüse und Salat freuen kann. Fleisch geh immer noch. Aber nur gegrillt oder in einer fettfreien Pfanne zubereitet. Zeitweise habe ich erwogen, Rohveganer zu werden. Aber da shat sich in den letzten Wochen GsD wieder gegeben.

 

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