Mal was anderes … Schottland, Part N°1 – zu Lande

Gelegentlich gehen der Traumprinz und ich auch einem anderen, gemeinsamen Hobby nach. Wir segeln. Dieses Jahr sollte es nun nach Schottland gehen. Für mich das erst Mal. England kenne ich, aber Schottland eben noch nicht. Viel ist erzählt worden über die unverständliche Sprache und das grottige Essen. Das mit der Sprache konnte ich mir ja noch vorstellen, aber das die Schotten wirklich alles frittieren? Verarscht mich ned. So schlimm kann das nicht sein, wie ihr mir weismachen wollt.

Am 18-Juni ging auf die KING SEAWAYS von Amsterdam/IJmuden nach Newcastle und am 19-Juni kamen wir in England an.

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Tag 1 Fähre Amsterdam/IJmuden - Newcastle-upon-Tyne

Tag 1 Fähre Amsterdam/IJmuden – Newcastle-upon-Tyne

Tag 2 (19-Juni-2016): Newcastle-upon-Tyne – Stirling
Die Fahrt von der Fähre herunter und durch die ersten Kreisverkehre war optisch eine Herausforderung. Ich war zwar öfters schon auf der Insel, aber eben noch nie mit einem Auto. Es fühlt sich schon komisch an, selbst auf dem Rücksitz. Aber – der Traumprinzen Bruder meisterte das recht souverän. Landschaftlich wurde es immer interessanter, je weiter wir nach Norden kamen. Das Land wurde immer grüner, die Farne immer höher und die Berge/Hügel bemooster. Um Edinburgh haben wir allerdings einen Bogen gemacht. Wir wollten mehr Landschaft und weniger Städte sehen. Unser Tagesziel hieß Stirling.

In Stirling selber fanden wir erst nach längerem Suchen ein B&B in der Nähe vom Wallace Monument, da in der Innenstadt an diesem Wochenende mehrere Veranstaltungen gewesen und entsprechend viele Straßen noch gesperrt waren. Leider waren wir von der Uhrzeit her zu spät dran – die meisten Sehenswürdigkeiten schließen wider Erwarten relativ früh. Daher haben wir uns Stirling selber zu Fuß im strömenden Regen angeschaut. Ich muss mir das bei gutem Wetter noch mal anschauen. Eine schöne, alte Stadt.

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Gegessen haben wir im Pub um die Ecke, The William Wallace. Ja, es gab ein Bar Meal. Und es war frittiert. Aber das hatte ich bei Fish&Chips auch erwartet. Dass allerdings das Sirloin-Steak der Männer ebenfalls frittiert war, machte mich etwas stutzig.

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Aber – ich war endlich in Schottland. Das kann mal passieren. Was in dieser Kneipe toll war, war das an diesem Abend traditionelle Musik gespielt wurde. Die Gruppe trifft sich seit 15 Jahren jeden Monat im Pub und musiziert zusammen. Hach, was das schön. Nicht perfekt, aber mit Gefühl und Liebe zur Musik.

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Tag 2 Newcastle - Stirling

Tag 2 Newcastle – Stirling

Tag 3 (20-Juni-2016): Stirling – Fort William
Heute standen meine Wunschziele auf dem Plan. Und so fuhren wir gemütlich durch die Trossachs, am Loch Lomond vorbei zum Glen Coe Tal. Absolut beeindruckend. Diese unglaublichen Landschaften machen einen irgendwann sprachlos. Vom Glen Coe Tal geht eine Straße ab Richtung Loch Etive. Hier wurden unter anderem Szenen für den James Bond Film „Skyfall“ (klick auch hier) gedreht. Das Video gibt es HIER.

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Weiter ging es am Loch Linneh entlang nach Fort William. Dort wollten wir unter anderem Neptun’s Staircase sehen, eine Schleusentreppe des Caledonian Canal.

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Die Planung sah nun vor, das wir uns ab dem nächsten Tag trennen würden. Der Traumprinz und ich würden mit dem Zug von Fort William nach Mallaig über Rannoch Moor fahren, der Traumprinz Bruder würde das Auto nehmen und nach Skye fahren. Zwei Tage später würde er uns dann in Mallaig wieder aufsammeln und gemeinsam würde es dann nach Largs gehen, wo wir die Segelyacht übernehmen würden. Soweit der Plan. Nur das er so in dieser Form nicht durchführbar war … die Eisenbahner streikten nämlich. Es fuhren keine Züge. Gar keine. Damit war unser Plan hinfällig, und wir entschieden gemeinsam, mit dem Traumprinzen Bruder zu fahren und seine Wunschziele anzuschauen.

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An diesem Abend, auf der Suche nach einem Pub, landeten wir im Volunteer Arms (oder Klick). Einer netten Sports-Bar mitten in der Innenstadt mit lustigen Barmenschen. Wir sind dort ziemlich lange versumpft, was aber kein Problem war. Das Trinkgeld am Ende haben wir gerne dort gelassen.

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Tag 3: Stirling - Fort William

Tag 3: Stirling – Fort William

Tag 4 (21-Juni-2016): Fort William – Portree
Eines der Wunschziele des Traumprinzen Bruder war, das Eilean Donan Castle zu sehen. Für die, denen das jetzt nichts sagt: hier wurden unter anderem Filme wie Highlander – Es kann nur einen geben, Elizabeth – Das goldene Königreich, Braveheart, Prinz Eisenherz, Verlockende Falle, Verliebt in die Braut, Rob Roy und (Wunder, oh Wunder) für den James-Bond-Film Die Welt ist nicht genug einige Szenen gedreht.

Daher ging es heute Richtung Skye. Vorbei an Loch Lochy und Fort Augustus Richtung Loch Ness. Den wollten wir zwar nur am Rand mitnehmen, aber die Chance Nessi kennen zu lernen wollten wir uns nicht entgehen lassen. Es war aber leider nicht da. Schade.

Loch Lochy

Loch Lochy

Weiter ging es dann zum Eilean Donan Castle. Ein beeindruckendes Castle, das seinem Ruf, das schönste Schottlands zu sein, durchaus gerecht wird. Die Tour ist nicht günstig, aber absolut lohnenswert. Da dort das Fotografieren verboten ist, kann ich nur auf die Homepage des Eilean Donan Castle verweisen

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Von dort ging es nach Plockton, der angeblichen schottischen Riviera. Gut, da das Wetter mal wieder „schottisch“ war, sah es natürlich nicht so schön aus, wie es an einem sonnigen Tag sein würde. Aber durch den Golfstrom ist gibt es ein für die Verhältnisse des schottischen Hochlands mildes Klima, welches das Wachstum von den palmenähnlichen Cabbage-Trees ermöglicht. Die Cabbage Trees stammen ursprünglich aus Neuseeland und sind für das Bild und Flair von Plockton prägend. Aber wie so oft … es war bewölkt und es regnete.

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In Kyle of Lochalsh haben wir versucht, etwas zu Mittag zu essen. Warum auch immer … hier herrschen französische Verhältnisse. Man findet einfach nichts offenes nach 14:00 Uhr. So landeten wir in einem Take-Away Lokal. Welches zugleich auch den absoluten Tiefpunkt jeglicher Alpträume bezüglich schottischen Essens darstellte. Ich möchte nicht darüber reden ….

Über die Skye Bridge ging es dann auf die nördlichste Insel unseres Urlaubs. Das erste Ziel war Kilt Rock and Mealt Falls. Dieser Wasserfall ist berühmt für seine Höhe und die Wassermassen, die herunter fallen. Nur … nach gut 7 Wochen Sonne und Trockenheit in Schottland (natürlich, bevor wir hinfuhren) war das ganz und gar nicht beeindruckend. Außerdem schüttete es zur Abwechslung mal wieder. Wir sind dann über Single Track Roads zurück nach Portree und haben uns ein B&B gesucht.

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Tag 4: Fort William - Portree

Tag 4: Fort William – Portree

Tag 5 (22-Juni-2016): Portree – Oban
Nach einer verschwitzten Nacht (huch) und erneutem Regen ging es von Portree zur Talisker Destillery. Leider war die nächste Tour schon voll und wir hätten mind. 1 Stunde warten müssen. Daher haben wir uns dagegen entschieden und sind erneut über Single Track Roads nach Armadale, um vielleicht noch die Fähre nach Mallaig zu erreichen. Was auch super geklappt hat.

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In Mallaig gab es dann zum ersten Mal in diesem Urlaub kein frittiertes Essen. Eine wirkliche Seltenheit und sehr, sehr lecker.

 
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Ein weiteres Wunschziel des Traumprinzen Bruders war, den „Harry-Potter-Zug“ (aka The Jacobite oder Jacobite Steam Train) auf dem Glenfinnan-Viadukt zu fotografieren. Die Fahrplankontrolle in Mallaig ergab … wie könnte es auch anders sein … Eisenbahnstreik. Daher entschieden wir uns, die Ardnamuchan Halbinsel zu besuchen, auf der es eine deutsche Räucherei gibt. Das Ardshealach Smokehouse & Fine Foods liefert übrigens auch nach Deutschland –> Smokehouse Shop. Das ist richtig leckeres Zeug!!

Weiter ging es über Ardgour mit der Fähre nach Corran Richtung Oban. Unterwegs sieht man von der Straße aus Castle Stalker, welches auf einer kleinen, felsigen Gezeiteninsel im Loch Laich steht. Es ist mit dem Boot, bei Ebbe auch zu Fuß zu erreichen und der häufige Grund für Fast-Auffahrunfälle. Am Rande erwähnenswert: Dieses Castle wurde übrigens zur Kulisse des Monty Python Films Die Ritter der Kokosnuss. Auch im Film Highlander III – Die Legende ist es zu sehen.

In Oban landeten wir nach längerem Suchen in einer sehr noblem Herberge, direkt an der Uferpromenade. Einem viktorianischen Haus, das über 17 Zimmer verfügt. Wir waren in Room 6, einem Twin-Room. Zum ersten Mal zwei Betten. Kein nächtliches Geschaukel, weil der andere sich umdreht. Herrlich.

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Tag 5: Portree - Oban

Tag 5: Portree – Oban

Tag 6 (23-Juni-2016): Oban – Hunter’s Quay
Über viele Single Track Road ging es weiter Richtung Kintyre-Halbinsel. Wieder einmal eine tolle Landschaft. Ein Ziel heute: der Crinan Canal. Eine Abkürzung, die wir auf unserem Törn fest eingeplant haben. Warum also nicht einmal vorher schauen, wie es dort aussieht und was uns so erwartet. Vor Ort konnten wir sehr viele Informationen gewinnen, die uns dann hoffentlich helfen. Das mit den Schleusen ist nich tso einfach, wie wir gedacht hatten. Aber wir sind 5 Personen, das bekommen wir hin.

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Weiter an der Küstenstrasse entlang nach Tarbert (East Loch Tarbert), dann mit der Fähre rüber gesetzt nach Portavide. Die nach Tignabruaich folgenden Gefälle waren sensationell. Satte 20 % ! Wir waren froh, bergab zu fahren. denn ob unsere Wanderdüne da hochgekommen wäre, wagten wir alle zu bezweifeln. Kurz vor der nächsten Fähre Richtung Gourock fanden wir ein niedliches B&B in Hunter’s Quay mit toller Aussicht über den Firth of Clyne und Holy Loch.

An diesem Tag fand auch das Referendum zum Brexit statt. Als wir um 01:30 Uhr ins Bett gingen, stand es noch für „Remain“. Aber zu diesem Zeitpunkt war noch fast nichts ausgezählt.

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Tag 6: Oban - Hunter's Quay

Tag 6: Oban – Hunter’s Quay

Tag 7 (24-Juni-2016): Hunter’s Quay – Largs
Der Tag nach dem Referendum. 51,9 % für den Austritt aus der EU, wobei aber Schottland mit circa 60 % pro EU-Verbleib gestimmt hat. Dieses Ergebnis sollte uns im zweiten Teil des Urlaubs noch so einige interessante Momente bescheren. Aber dazu mehr im zweiten Teil.

Unser Weg führte uns heute mit der Fähre rüber nach Gourock und weiter Richtung Glasgow. Das heutige Ziel war Falkirk Wheel, ein Schiffshebewerk, das wie ein Riesenrad aussieht. Die Autobahn durch Glasgow war nach fast einer Woche ruhiger Highlands eine echte Herausforderung. So viele Autos, LKW, etc waren wir überhaupt nicht mehr gewöhnt. Aber, die beiden Männer machten das schon. Schlimmer, als Freitagmittags in Frankfurt ist es auch nicht.

Das Falkirk Wheel wurde am 24. Mai 2002 durch Königin Elisabeth II. anlässlich ihres goldenen Thronjubiläums eröffnet und ist das Modernste seiner Art. Es verbindet den Forth and Clyde Canal mit dem Union Canal und ersetzt elf Schleusen auf einer Strecke von 1,5 km mit einem Höhenunterschied von 33,50 mtr. Sehr spannend. Hat mich an das Schiffshebewerk Saint-Louis/Arzviller erinnert, das der Traumprinz und ich 2015 nach meiner Knie-OP besucht hatten.

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Auf dem Rückweg nach Largs hätte ich eigentlich gerne noch Culzean Castle (Klick)besucht, was wir aber aus zeitlichen Gründen dann doch gelassen haben. Im Nachhinein stellte sich diese Entscheidung als Hervorragend heraus, denn zu genau diesem Zeitpunkt hat der GRÖVAZ (größte Vollidiot aller Zeiten) keine 10 Meilen entfernt einen Golfplatz eingeweiht. Und was das für ein Verkehrschaos war, konnten wir in der BBC sehen. Nein, danke. War gut, das wir uns anders entschieden hatten.

Unser B&B war ein wirklich schönes, altes Pfarrhaus, das mit viel Liebe eingerichtet war. Nach unserer Ankunft war ich aber so platt, das ich mich hinlegen musste und tatsächlich tief und fest geschlafen habe. Die beiden Männer sind währenddessen schon einmal zu Fuß bis zum Yachthafen gelaufen um sich alles anzuschauen und um einen Blick auf unser Gefährt der nächsten 2 Wochen zu werfen. Das Boot war da, ebenso der Vercharterter und so konnten die beiden eine Uhrzeit für die morgige Übergabe ausmachen.

Es konnte losgehen.

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Tag 7: Hunter's Quay - Largs

Tag 7: Hunter’s Quay – Largs

Fazit:
1350 km in einer Woche. Sehr viel gesehen, erlebt. Eine beeindruckende Landschaft, die einmalig ist. Selbst im Regen. Sehr nette Menschen kennengelernt. Schottland ist zwar sackteuer, aber unbedingt eine Reise wert. Das war jedenfalls nicht mein letztes Mal in diesem Land.
Gesamtstrecke

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